Konzept

Pädagogisches Konzept

der Voiswinkeler Waldwichtel

 Elterninitiative Voiswinkeler Wichtel e. V.

St.- Engelbert – Str. 44a

51519 Odenthal- Voiswinkel

INHALT

 Vorwort

Organisationsstruktur

 

1.                  Die Voiswinkeler Waldwichtel

1.1 Entstehung des Waldkindergartens

1.2 Träger der Einrichtung und ihre Gremien

1.3 Waldgruppe  und Personal

1.4 Rahmenbedingungen des Waldes

1.5 Zusammenarbeit mit den Eltern

 

2.                  Ziele und Methoden zur ganzheitlichen Bildung

2.1            Werteorientierung

2.2            Persönlichkeitsentwicklung

2.3            Situationsorientierter Ansatz

2.4            Natur- und Umwelterziehung und Sinneserfahrung

2.5            Sprachentwicklung und Förderung

2.6             Bewegungserziehung und Gesundheit

2.7              Das kindliche Spiel

2.8              Kreatives Gestalten

2.9              Musik und Rhythmus

2.10             Vorschulerziehung

2.11             Integration

 

3.                  Waldregeln

4.                  Schlusswort

 

Vorwort

Das vorliegende Konzept bezieht sich auf den Waldkindergarten der Voiswinkeler Wichtel. In Anlehnung an das Konzept der Integrativen Kindertagesstätte Voiswinkeler Wichtel von 1995 haben  sich 2002engagierte Eltern zusammengeschlossen, um das erste Waldkonzept zu erarbeiten.

Immer wieder haben sich das pädagogische Waldteam und Eltern, mit der Ausarbeitung des Konzeptes beschäftigt, um sich auf einen gemeinsamen Weg zu begeben.

Es ist uns wichtig, in unserem Konzept die Einzigartigkeit unserer Einrichtung aufzuzeigen.

  • Waldwichtel „leben“ in der Natur, sie erfahren bewusst mit allen Sinnen den Wechsel der Jahreszeiten und die unterschiedlichen Wetterbedingungen.
  • Waldwichtel erleben eine starke Gruppenverbundenheit, denn nur, wenn man sich gegenseitig hilft, kann man das Tagesziel erreichen.
  • Waldwichtel erfahren eine große Freiheit durch den Spielort Wald, sie sind nicht an Räumlichkeiten gebunden. Sie erleben die Vielfalt der Natur, sie erleben Waldgeräusche und Stille.
  • Waldwichtel haben die Möglichkeit, sich in den Spielbereichen räumlich zurückzuziehen und doch mit der Gruppe Kontakt zu halten.

„Komm in den Wald, dann spürst Du bald den Herzschlag des Lebens, die Vielfalt, die Stille, darin Dein Körper, Deine Sinne, Dein Wille.

Komm in den Wald, dann lernst Du bald, Dir selbst zu vertrauen, auf Deine Fähigkeiten zu bauen, verantwortlich zu leben, zu nehmen und zu geben.

Komm in den Wald, dann spielen wir bald, wir singen und lachen, wir werkeln mit vielen natürlichen Sachen fantasievoll und frei- sei auch mit dabei!

Komm mit in den Wald, dann kannst Du bald gesunde Wurzeln schlagen, die dein Leben tragen.“

Ingried Höhn

 

Die Voiswinkeler Waldwichtel

Stand: Frühjahr 2012

 

1. Die Voiswinkeler Waldwichtel

1.1 Entstehung des Waldkindergartens

Eltern von Voiswinkeler Kindern schlossen sich zusammen und gründeten am 08.12.1993 die Elterninitiative Voiswinkeler Wichtel e.V.

Durch die Initiative engagierter Eltern wurde im September 2002 die Vereinstätigkeit um den Waldkindergarten erweitert. Das Ziel dieser Eltern war es, eine alternative Form der pädagogischen Kindergartenarbeit zu ermöglichen. Dadurch wurden zum 15.09.2002  15 weitere Betreuungsplätze für Odenthaler Kinder geschaffen. Seit dem 01.08. 2008 sind es sogar 18 Betreuungsplätze und seit 2010 sind zwei Plätze davon für Kinder unter drei Jahren. (siehe Leitfaden U3)

1.2 Träger der Einrichtungen und ihre Gremien

Träger des Waldkindergartens ist der im Vereinsregister Bergisch Gladbach eingetragene Verein „Elterninitiative Voiswinkeler Wichtel e.V.“, der dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband als Dachverband beigetreten ist und sich an dessen Grundsätzen orientiert.

Für eine gute Zusammenarbeit gibt es verschiedene Gremien:

Der Träger – der Verein – überträgt die Aufgaben in einer Mitgliederversammlung an die gewählten, ehrenamtlich tätigen Vorstandsmitglieder. Der Verein setzt sich aus ehemaligen, aktuellen und künftigen Eltern zusammen. Jede Familie, deren Kind/-er in den Einrichtungen der „Voiswinkeler Waldwichtel und Wichtel“ betreut wird/werden, muss Mitglied im Verein werden. Der gewählte Vorstand ist verantwortlich u. a. für die Verwaltung des personellen, finanziellen und organisatorischen Bereiches.

Zur Mitgliederversammlung treffen sich alle Mitglieder des Vereins mindestens einmal im Jahr. Die Mitgliederversammlung wählt den Vorstand und ist entscheidungsberechtigt bei Satzungsänderungen. Der aktive Vorstand stellt an diesem Tag den Jahresbericht vor.

Die Elternversammlung besteht aus aktiven Vereinsmitgliedern, deren Kinder die Einrichtungen besuchen. Sie wird mindestens einmal im Kindergartenjahr vom Träger (Vorstand) bis spätestens 10.Oktober einberufen und hat dabei das Recht, über alle, die Einrichtung betreffenden Fragen, Auskunft zu verlangen und sich dazu zu äußern. Die Elternversammlung wählt einen Elternbeirat.

Der Elternbeirat vertritt die Interessen der Elternschaft gegenüber dem Träger und der Leitung. Dabei hat er die Aufgabe, das Zusammenwirken zwischen den Erziehungsberechtigten, dem Träger und den pädagogischen Fachkräften zu fördern (siehe KiBiz §9 Absatz 4). Er ist vom Träger und der Leitung über alle wesentlichen Belange, die die Einrichtungen betreffen, zu informieren und hat eine in allen Bereichen mindestens eine beratende Funktion.

Der Rat der Waldgruppe/ Kita wird gebildet aus Elternbeirat, ErzieherInnen und Vorstand. Es ist seine Aufgabe, über Grundsätze der pädagogischen Arbeit zu beraten, Öffnungs- und Schließungszeiten der Einrichtungen sowie die Kriterien für die Aufnahme von Kindern in die Einrichtung festzulegen und die vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Gremien zu fördern.

1.3 Die Waldgruppe und ihr Personal

Die Waldgruppe besteht zurzeit aus achtzehn Kindergartenkindern im Alter von zwei Jahren bis zum Schuleintritt. Der tägliche Betreuungszeitraum beträgt sieben Stunden; die Betreuung findet im Wald statt. Die Gruppe wird von einer Vollzeit-ErzieherIn (Leitung) und einigen Teilzeit-ErzieherInnen betreut. Gelegentlich wird das Team von Praktikanten unterstützt.

1.4 Rahmenbedingungen

  • Betreuungszeit

Die Öffnungszeit der Waldgruppe ist von 08:00 Uhr bis 15:00 Uhr.

Die Kinder können zwischen 08:00 Uhr und 08:30 Uhr gebracht werden. Die Abholzeit ist aufgeteilt: die Kinder können entweder

  • von  12:30 Uhr bis 13:00 Uhr oder
  • von 14:30 Uhr bis 15:00 Uhr abgeholt werden.

Jeder Familie ist freigestellt, wie oft sie ihr Kind früh oder spät abholt.

Das Mittagessen wird von zu Hause mitgebracht (entweder warm im Isolierbehälter, oder als zweites Frühstück).

  • Schließungszeiten

In der Regel schließt der Waldkindergarten drei Wochen in den Sommerferien und zwischen Weihnachten und Neujahr. Außerdem gibt es zu Karneval veränderte Öffnungs- bzw. Schließungszeiten und einmal im Jahr ist wegen des Betriebsausflugs geschlossen. Die genauen Termine werden im Rat der Kita beschlossen und frühzeitig bekannt gegeben. Weiterhin gibt es pro Halbjahr einen Pädagogischen Tag, an dem der Waldkindergarten und die Kita geschlossen bleiben.

  • Örtliche Gegebenheiten

In Odenthal-Voiswinkel, auf der Wiese des sog. Waldstadion, stehen zwei Bauwagen, die für die Belange der Gruppe geplant wurden.  Der „alter Bauwagen“ ist innen mit Holzmöbeln ausgestattet, wie ein kleiner Gruppenraum mit Tisch und Truhen als Sitzgelegenheiten, sowie mit verschiedenen Fächern und Regalen. Im „neuen Bauwagen“  befindet sich eine geräumige Liegefläche, die mittags zum Schlafen genutzt wird. Diese kann bei schlechtem Wetter auch als Spielfläche fungieren. Weiterhin gibt es einen Wickeltisch. Beide Bauwagen werden mit Gas beheizt und beleuchtet und  dienen der Unterbringung und Lagerung von Arbeitsmaterialien sowie als Zufluchtsort bei ungemütlichem Wetter.

Die Waldgruppe kann die Räume der Kindertagesstätte Voiswinkeler Wichtel für verschiedene Anlässe, z.B. für Elternabende und gemeinsame Aktionen (Singkreis, Projektwoche) oder zum Schutz bei Unwetter nutzen. Dabei dient der Werkraum als Treffpunkt.

1.5. Zusammenarbeit mit den Eltern

In einer Elterninitiative sind die Eltern das tragende Element. Um familienergänzend arbeiten zu können, wird auf eine aktive Elternmitarbeit Wert gelegt, auch um das pädagogische Konzept umzusetzen und dessen Ziele verwirklichen zu können.

Es gibt Elternabende, Eltern-Kind-Aktionen, Festvorbereitungen und Aktionstage.

Die wichtigste Voraussetzung für einen reibungslosen Ablauf des Waldkindergartenalltags ist das Zusammenwirken von Eltern und pädagogischen MitarbeiterInnen. Durch Aufnahmegespräche bei der Anmeldung, Hausbesuche (vorwiegend in der Eingewöhnungszeit), Elterngespräche, Tür- und Angelgespräche in der Bring- und Abholzeit, Hospitationen der Eltern in den Gruppen und regelmäßige schriftliche Informationen an der Pinnwand oder im Postfach soll eine Transparenz der pädagogische Arbeit erreicht werden.

Von Eltern für Eltern und Kinder wird der „Buntstift“, unsere „Wichtel-Zeitung“, herausgegeben.

In Eigeninitiative haben die Eltern auch die Möglichkeit, sich in einem religiösen Ausschuss zu engagieren.

In einer Elterninitiative ist die aktive Elternarbeit ein wichtiger Bestandteil um einen sicheren Betrieb des Waldkindergartens zu gewähren, dazu zählen die Elternarbeitsstunden die in einem Mindestumfang von zwei Arbeitsstunden pro Monat erbracht werden sollen. Diese Arbeiten können sowohl im Wald als auch in der Kita abgeleistet werden. Elternarbeitstunden können an Aktionstagen, Festen, durch Patenschaften o.ä. geleistet werden. Ziel ist es, die ErzieherInnen von nicht pädagogischen Arbeiten zu entlasten.

2. Ziele und Methoden zur ganzheitlichen Bildung

2.1 Werteorientierung

Ziel unserer gesamten pädagogischen Arbeit ist, die Kinder auf der Grundlage eines demokratischen Erziehungs- und Arbeitsstils zu erziehen. Voraussetzung für demokratisches Denken und Handeln sind Respekt und Akzeptanz allen Menschen gegenüber. Ein weiterer wichtiger Punkt der demokratischen Erziehung ist die Selbstbestimmung.

Gemeinsam mit den Kindern planen wir Projekte, finden Entscheidungen und besprechen Regeln, sodass die Kinder ihre Belange, Wünsche und Bedürfnisse nach ihren Fähigkeiten einbringen und so ihren Alltag in der Einrichtung mitbestimmen können.

Im Waldkindergarten arbeiten wir überkonfessionell.

Wir möchten den Kindern einen offenen Umgang mit anders Gläubigen und ein Vertraut werden mit der Religion und dem Brauchtum unseres Landes vermitteln.

Wir geben den Kindern den größtmöglichen Freiraum für entdeckendes, selbstständiges, ganzheitliches Lernen. Sie sollen ihre eigenen Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten jeden Tag ein Stück weiter ausbilden. Des Weiteren lernen sie einen bewussten Umgang mit den Ressourcen der Erde.

Der Waldkindergarten ist ein besonderer Spiel- und Bewegungsraum. Die Kinder setzen sich ganzheitlich und intensiv mit der Natur auseinander.

2.2 Persönlichkeitsentwicklung

Die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder findet im täglichen Leben statt. Sie verläuft schrittweise und oft unbemerkt. Ziel unserer pädagogischen Arbeit ist, die Kinder zu selbständigen, verantwortungsbewussten, kritikfähigen, selbstsicheren, sozialen und kreativen Menschen zu erziehen.

Für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder ist eine ganzheitliche Wahrnehmung des eigenen Körpers wichtig. Indem sie in immer neuen Situationen ihre eigenen Fähigkeiten testen, dabei an Grenzen stoßen, diese akzeptieren lernen und den Körper so bewusst erleben, können die Kinder sich als Individuen in ihrer Umwelt erfahren. Sie entwickeln ein Gefühl für sich, ihre Bedürfnisse, ihre Fähigkeiten, ihren Körper und ihre Grenzen. Die Kinder werden ermutigt, sich zu äußern, wenn sie Hilfe und Unterstützung benötigen. Sie lernen, dass Hilfe von anderen kein Zeichen für Schwäche oder Unvermögen ist, sondern dass jeder Mensch die Unterstützung anderer braucht.

Es ist wichtig, dass Kinder lernen, ihre Bedürfnisse und Gefühle zu äußern. Wir nehmen die Kinder ernst und schaffen damit eine Basis des Vertrauens – die Grundlage für Leben und Lernen.

Bei der Entwicklung zu einer eigenständigen, selbstbewussten und konfliktfähigen Person brauchen die Kinder Unterstützung und Begleitung. Persönlichkeitsentwicklung verstehen wir als aktive Auseinandersetzung mit der Umweltund somit alshandelndes Lernen. Um den Kindern dieses Lernen zu ermöglichen, bieten wir ihnen möglichst viele Erfahrungsbereiche. Sie erleben zum Beispiel, dass jeder Mensch eigene Bedürfnisse, Gefühle und Grenzen hat.

Im täglichen Miteinander entwickeln sich Akzeptanz und Respekt den anderen gegenüber. Durch Regelverstöße und Meinungsverschiedenheiten kommt es im Waldkindergartenalltag immer wieder zu Konflikten. Wir legen Wert darauf, dass die Kinder diese austragen, sich ihnen stellen und eigenständig (gegebenenfalls mit Hilfestellung) Lösungsvorschläge entwickeln oder Kompromisse finden. Im Zusammenleben mit vielen verschiedenen Menschen erfahren sie die Unterschiedlichkeit der einzelnen Persönlichkeiten.

2.3 Situationsorientierter Ansatz

Die Grundlage unserer pädagogischen Arbeit ist der Situationsorientierte Ansatz. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die unmittelbare Erlebnis-, Lern- und Lebenswelt der Kinder. Der Situationsorientierte Ansatz geht davon aus, dass Kinder eine gesunde Neugierde haben, lern – und wissbegierig sind und so das Lernen, nach eigenem Interesse, intensiver ist. Themen und Inhalte sind für die Kinder aktuell und haben Bezug zu ihrer direkten Lebenssituation.

Eine wichtige Aufgabe der ErzieherInnen ist eine genaue Beobachtung der Kinder. So werden die Interessen und Bedürfnisse der Kinder bzw. der Gruppe als Grundlage für Projekte aufgegriffen. Für eine gute situationsorientierte Arbeit ist der Austausch mit allen an der Erziehung Beteiligten wichtig (siehe 1.5).

Das Verhältnis zwischen Kind und ErzieherIn ist ein von beiden Seiten getragenes Kommunikations- und Erfahrungsfeld.

Im Alltag wird auch immer wieder die Vermittlung von Brauchtum praktiziert. Dieser wird den Kindern als weitere Anbindung an die Gesellschaft, in der sie aufwachsen, projektorientiert vermittelt.

Bei der gemeinsamen Planung und Durchführung der Projekte lernen die Kinder demokratisch Entscheidungen zu treffen, ihre eigenen Bedürfnisse zu äußern und/oder zurückzustecken, gemeinsam nach Lösungen und Wegen zu suchen. Sie übernehmen Verantwortung für ihre Person, ihre Gruppe und ihre Tagesgestaltung. Dies ist eine wichtige Grundlage für ihre eigene Persönlichkeitsentwicklung (siehe 2.2).

Die Kinder können nach ihren Fähigkeiten eigene Ideen und Wissen einbringen und ihren Alltag mitgestalten. Sie lernen viel von- und miteinander; der Erziehende lernt mit.

Projektarbeit verlangt sehr viel Flexibilität und Beobachtungsgabe. Es muss erkannt werden, wann das Projekt neue Impulse braucht, wann es nicht mehr dem Interesse der Kindergruppe entspricht oder welche Wege das Projektthema gehen soll.

2.4 Natur- und Umwelterziehung und Sinneserfahrung 

Im Wald haben die Kinder die Möglichkeit, ihre Umgebung mit allen Sinnen zu erfahren. Die Kinder können hier fühlen, riechen und entdecken. So lernen sie die Natur zu verstehen und zu begreifen, wobei das Wort „Be-greifen“ wörtlich zu nehmen ist. Hierzu gehört nicht nur, Geräusche, Gerüche, Formen und Farben des Waldes zu vermitteln, sondern auch alltägliche Zusammenhänge und Gegebenheiten durch ungefiltertes Erleben verständlich zu machen.

Durch die Nutzung des Waldes als Spiel- und Bewegungsraum machen die Kinder ganz selbstverständlich authentische und ganzheitliche Erfahrungen. So werden z.B. durch Anfassen von Baumstämmen, von Moos oder Matsch, die unterschiedlichsten Tast- und Empfindungserfahrungen gemacht.

Das Wetter und die Jahreszeiten verändern die Spielorte, die Beschaffenheit der Materialien und manchmal auch die Laune. Die Kinder lernen die Gesetzmäßigkeiten der Natur.

Sich in der Natur frei zu bewegen, zu rennen, lauter sein zu können, ohne die anderen zu stören und reglementiert zu werden, genießen die Kinder genauso wie die Stille des Waldes oder das Lauschen; das bewusste Wahrnehmen des Lebensraums Wald wird möglich.

Bei den Angeboten und Aktionen inmitten der Natur werden die Kinder immer wieder zu einem respektvollen Umgang mit Flora und Fauna angeregt, sodass sie lernen, andere Lebensformen anzuerkennen und ihren Wert zu schätzen. Natur- und Umweltschutz werden regelmäßig thematisiert. Abfallvermeidung lernen und erleben die Kinder alltäglich und praktisch durch umweltgerechte Verpackungen, wie z.B. durch das Verwenden von Brotdosen, „Henkelmann“ fürs Mittagessen und Trinkflaschen.

Die Kinder sehen und erleben sich als Teil der Natur.

2.5 Sprachentwicklung und Förderung

Sprache hat im Wald eine große Bedeutung. Die Kinder verbringen viel Zeit im Rollenspiel. Damit ihr Spiel funktioniert, müssen die Kinder sich untereinander über ihre Wünsche und Ideen austauschen. So haben sie ständig Sprachanreize und erleben unterschiedlichste Sprachvorbilder. In einem Ast sieht ein Kind einen Mixer und benennt ihn so, ein anderes Kind sieht in ihm eine Ameisenbrücke, und während sie darüber sprechen merken beide, dass es doch eher ein Dinosauriersuchgerät ist.

Die ErzieherInnen dienen den Kindern bewusst als Sprachvorbild und geben den Kindern immer wieder Sprachimpulse. Durch Alltagsrituale, immer widerkehrende Lieder, Fingerspiele, Reime… wird den Kindern Kontinuität und Spaß an Sprache vermittelt.

So geschieht Sprachförderung bei uns täglich und oft unbewusst. Kinder mit „Sprachverzögerungen oder Sprachfehlern“ fördern so ihre Sprache, ohne ständig auf eventuelle Defizite gestoßen zu werden.

2.6 Bewegungserziehung und Gesundheit

Der Wald als Bewegungsraum stellt vielfältige Anforderungen an den Körper des Kindes. Die Muskulatur wird auf unterschiedliche Weise beansprucht, sodass sie sich gleichmäßig ausprägen und den Knochenbau in ausgewogener Weise unterstützen kann. Vor allem die natürlichen Unebenheiten im Wald fördern das Gleichgewicht und eine gute Körperkoordination.

Bewegung ist für Kinder von fundamentaler Bedeutung und somit unverzichtbar. Die Kinder lernen, sich mit sich selbst, dem eigenen Körper und ihrer Umwelt auseinander zusetzen. Somit können sie die eigenen Grenzen erfahren und auch erweitern. Auf Basis dieser Erfahrungen können die Kinder zunehmend aktiv ihre Umwelt erfahren.

Das Bewegen auf unebenem Gelände fördert die Aktivität beider Gehirnhälften.

Die körperliche Gesundheit der Kinder wird durch den ständigen Kontakt mit der Natur gefördert, durch die Bewegung stärken sie ihre Kondition, und durch die unterschiedlichen Witterungsverhältnisse wird das Immunsystem angeregt. Durch den Aufenthalt an der frischen Luft verbreiten sich ansteckende Kinderkrankheiten seltener.

Neben der Auseinandersetzung mit der räumlichen Umwelt erweitern die Kinder auch ihre sozialen Fähigkeiten. Kontakte können spielerisch auf- und ausgebaut sowie Gemeinschaft erlebt werden. Gegenseitige Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme erleichtern das gemeinsame Tun und helfen den Kindern, sich mit anderen Personen und deren Bedürfnissen auseinander zusetzen.

Des Weiteren bringt Bewegung den Kindern Erfolgserlebnisse. Dadurch und durch die Zunahme von vielfältigen Erfahrungen wachsen Sicherheit, Selbständigkeit sowie Selbstvertrauen.

2.7 Das kindliche Spiel

Die meiste Zeit verbringen die Kinder mit Spielen, und dieses Spielen ist wichtig. Es regt die Kinder zum aktiven „Tun“ an; sie lernen dabei soziales Handeln. Für die Kinder ist das Spiel ein Mittel zur Selbsterfahrung und Selbstverwirklichung. Im Spiel wird die Eigenwahrnehmung geschult.

Die Kinder können während des Freispiels ihren momentanen Wünschen und Bedürfnissen entsprechend die Spielorte, ihre Spielpartner und vor allem die Spielinhalte selber bestimmen. Im Spiel können sie ihre eigenen Bedürfnisse und Befindlichkeiten darstellen und dadurch auch emotional verarbeiten.

Das Freispiel der Waldwichtel findet an verschiedenen Orten des Waldes statt.

Sinn und Ziel des Freispiels ist, dass Kinder Fantasie entwickeln und ausleben können. Sie lernen sich bewusst für ihr Spiel zu entscheiden. Die Kinder können im Freispiel Erfahrungen einbringen, neue Verhaltensweisen und -muster ausprobieren, sie weiter üben und umsetzen.

Im Freispiel können auch geplante Aktionen stattfinden: das so genannte angeleitete Spiel. Die ErzieherIn motiviert gezielt zu einer Tätigkeit, um ein pädagogisches Ziel zu verfolgen.

Im Waldkindergarten ist die spielzeugfreie Situation von Natur aus gegeben. Das Gestalten des Spielmaterials aus Stöcken, Steinen, Blättern etc. regt die Kreativität und Fantasie der Kinder an. Hierbei wird die Sprach-, Kommunikations- und Kontaktfähigkeit gefördert.

Spiel- und Bastelmaterial wird im Wald gezielt eingesetzt. Bestimmungsbücher, Lupen zum Beobachten und Experimentieren oder Seile, die zum Klettern dienen, sind hier als Beispiel zu nennen.

Ferner gibt es Bilderbücher, die für Themenschwerpunkte eingesetzt oder auch nur als Vorlese-Spielmaterial genutzt werden. Dadurch wird den Kindern ein breites Spektrum an Sprachinhalten vermittelt.

Durch Regel-, Bewegungs-, und Kreisspiele mit wiederkehrendem Spielverlauf lernen die Kinder Regeln und Reihenfolgen einzuhalten. Ein weiteres Ziel der Spiele ist es, sich auch mit negativen Gefühlen, wie z.B. dem Verlieren, auseinanderzusetzen.

Der eingeschränkte Einsatz von vorgefertigtem Spielzeug (z.B. Schaufeln und Eimer für den Bach) und das große Angebot an natürlichen Spielmaterialien verschaffen den Kindern den notwendigen Freiraum, ihr Spiel zu gestalten und zu definieren. So wird die Basis für ein selbstbestimmtes, phantasievolles und bedürfnisorientiertes Spielen geschaffen.

2.8 Kreatives Gestalten

Kreatives Gestalten mit den verschiedensten Materialien eröffnet Möglichkeiten der Selbstverwirklichung. Die Wahrnehmung und die Phantasie werden angeregt sowie das Vorstellungsvermögen bereichert. Kreatives Gestalten soll bei den Kindern die Fähigkeit fördern, Neues zu erfinden, Bekanntes in einen neuen Zusammenhang zu stellen und von bisherigen Denk- und Verhaltensschemata abzuweichen; dies dient der Entwicklung neuer Handlungsmuster und steht in enger Verbindung zur sprachlichen – und kognitiven Entwicklung.

Zur Förderung der Kreativität sind Freiräume von großer Wichtigkeit. Im Waldkindergarten nutzen die Kinder hierfür überwiegend die natürlichen Gegebenheiten.

Es können z.B. mit Naturmaterialien wie Kastanien und Zapfen Bilder/- Mandalas und Muster gelegt werden. Hierbei erleben die Kinder auch wieder die Natur bewusst, denn es gibt nicht zu jeder Jahreszeit alle „Naturfrüchte“ oder nur noch in veränderter Form (durch einsetzende Verrottung). Die Kinder werden angeregt ihr Umfeld bewusst wahrzunehmen, und da kann so mancher „Baumgeist“ entdeckt werden. Der kindlichen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Eine weitere Voraussetzung zur Freisetzung von Kreativität ist Ruhe. Rückzugsplätze sind im Wald natürlich vorhanden. Ebenso wichtig ist die innere Ruhe, d.h. ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, das durch Kontinuität und zuverlässige Regelmäßigkeit entsteht. Der Spontanität wird Raum gegeben.

Selbstverständlich gibt es im Waldkindergarten freies oder in Maßen vorgefertigtes Gestaltungsmaterial und Werkzeug. Sowohl grob- als auch feinmotorische Fähigkeiten werden gefördert. Hier steht der Spaß am Tun im Vordergrund. Die Kinder werden feststellen, dass sie mit der Zeit geschickter werden. Das verleiht dem Kind eine innere Stärke und Selbstbewusstsein, welches es braucht, um sich ganzheitlich, also geistig, seelisch und körperlich, gut zu entwickeln.

2.9 Musik und Rhythmus

Musik und Gesang leisten einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Erlebnis- und Ausdrucksfähigkeit des Kindes. Sie fördern einen intensiven Zugang zur Sprachentwicklung von Kindern. Deshalb nimmt Musik und Gesang bei uns einen großen Stellenwert ein. Sowohl im Morgenkreis wie im Abschlusskreis  wird mit den Kindern gesungen, da gehören die fest ritualisierten Begrüßungs- und Abschiedslieder  ebenso wie  das Erlernen von neuen Liedern passend zu Projektthemen oder der aktuellen Jahreszeit.

Musikerziehung in ihren verschiedenen Facetten strebt auch stets eine Förderung des Gehörsinns an.

Wir bieten den Kindern die Möglichkeit zu singen und mit Klang und Rhythmus zu experimentieren.

Im regelmäßig stattfindenden großen Singkreis, zu dem sich die Waldgruppe mit den Hausgruppen trifft, erleben die Waldkindergartenkinder, wie sich Klang in Räumen anhört und wie unterschiedliche es ist, mit vielen Stimmen zu singen oder nur in ihrer „kleinen Kindergartengruppe“. So wird Gemeinschaftsgefühl und Integration erlebt und erfahren.

2.10 Vorschulerziehung

Die Waldvorschulkinder nehmen an der Vorschulerziehung, bei uns Schulneulingsaktion genannt, in Zusammenarbeit mit der Kita, teil. Sie findet einmal wöchentlich statt. Dabei lernen die Waldwichtel, sich langsam von der Waldgruppe zu lösen. Sie knüpfen Kontakte zu den Hauskindern, mit denen sie später eventuell in eine Klasse kommen werden, lernen in einer Großgruppe zu agieren und setzen sich mit Lernfeldern auseinander, die sie auf die Schule vorbereiten.

3. Waldregeln

Die Kinder genießen im Waldkindergarten sehr viele Freiräume. Dennoch gibt es Regeln, die unbedingt eingehalten werden müssen. Diese dienen in erster Linie dem Unfall- und Gesundheitsschutz. Die aufgestellten Regeln sind im Waldkindergarten „natürliche Regeln“, weil sie die Kinder vor Unfällen oder die Natur vor schädlichen Einflüssen schützen. Es sind Regeln, die für die Kinder unmittelbar einsichtig und begreiflich sind. Die Aufstellung der Regeln wird von den ErzieherInnen genau erklärt, um bei den Kindern die notwendige Einsicht – und Einhaltung zu fördern. Dadurch sollen die Kinder lernen, sorgsam und verantwortungsvoll mit der Natur umzugehen. Die einzelnen Regeln sind im „Wald – ABC“ aufgeführt.

4. Schlusswort

„Der Weg ist das Ziel.“

Dieses Konzept „lebt“. Es wird um Erfahrungen aus der täglichen Arbeit heraus erweitert und um weitere, neu hinzugekommene Themenbereiche ergänzt.

Jeder ist aufgefordert, tatkräftig mitzuwirken.

„Alle Erziehungskonzepte sind im besten Falle Landkarten, die uns helfen können, uns immer wieder neu zu orientieren. So gut eine Landkarte auch sein mag – sie nützt nichts, wenn wir uns nicht auf den Weg machen und das Terrain selbst erkunden.“ Lienhard Valentin

Weitere Anhaltspunkte und Informationen finden sie im

„Wald-ABC“ und im  „Leitfaden U3“